Wir wollen wieder los!!!

Wir können es doch nicht lassen.
Immer schon haben wir auch über den potugiesischen Weg gesprochen.
Jetzt ist es tatsächlich so weit.
Diese Art Urlaub zu machen lässt uns irgendwie nicht los, auch wenn wir das eigentliche Ziel „von Gladbeck nach Santiago“ bereits hinter uns gebracht haben.
Es ist halt entspannend einfach in den Tag hinein zu laufen und mehr oder weniger allles auf sich zukommen zu lassen.
Anfang Mai geht es dann los. Die Flüge sind gebucht und die Herbergen für die ersten beiden Tage auch. Von wegen alles auf sich zukommen lassen!?!
Diesmal werden es allerdings auch keine 6 Wochen sondern nur gute zwei.
Bis es so weit ist geniessen wir die Vorfreude.

Tag 23, Vilamaior – Santiago, 04.06.2016

9,3 km, 7.40 Uhr bis 10.35 Uhr

Um uns nicht unter Druck zu setzen gehen wir schon früh und ohne Frühstück los. Es läuft sich gut auch wenn es erst eine ganze Weile auch wieder bergauf geht. Das Wetter ist kühl und der Himmel Licht grau. Eigentlich wollte ich bei Sonnenschein in Santiago ankommen. Am Monte do Gozo steigen wir zum Denkmal zu Ehren von Papst Johannes Paul II hoch. Von da können wir zwar Santiago sehen aber weil es ziemlich diesig ist nichts erkennen, schon gar nicht die Kathedrale, was man von hier aus angeblich kann. An der Ermita einen Stempel geholt und dann geht es auch schon weiter, da der Stand an dem es zu essen und zu trinken gibt sieht nicht so einladend aus. Von hier aus geht es noch bis zur Stadtgrenze bergab über teilweise neu errichtete Wege/Treppen. Nur die Brücken über Autobahn und Bahnlinie sind genauso baufällig und geflickt wie 2009, wenn nicht noch schlimmer.
Ein Stück weiter aber immer noch in der Vorstadt lasen wir uns dann endlich vor einer Bar nieder um zu frühstücken.
Dann weiter Richtung Kathedrale und wie enttäuschend war dann der erste Blick durch die Gassen auf die Kathedrale. Die Türme sind eingerüstet, der eine ganz, der andere bis fast ganz oben. Ich habe bei Kirchen im Urlaub fast immer dieses Glück.
An der Kathedrale angekommen, lassen die uns auch nicht auf dem üblichen Weg rein, diese Pforte ist nur als Ausgang zu benutzen. Also weiter Richtung Hauptportal, den Portico de la Gloria. Die ist wegen Generalüberholung der gesamten Vorderfront auch geschlossen.
Es ist kurz nach halb elf und wir wollen zur Pilgermesse um zwölf, stellen allerdings überrascht fest, dass ich mit dem Rucksack gar nicht rein gelassen werde. Also gehen wir zum nahe gelegenen Hotel um den Rucksack da schon mal ab zu stellen. Einchecken geht schnell. Da das Zimmer noch nicht fertig ist und das Hotel selber keinen Platz hat, um Gepäck ab zu stellen, erhalten wir einen Gutschein für die Aufbewahrung in der Post gegenüber. Da allerdings wird unsere Geduld intensiv auf die Probe gestellt. 5 Leute vor uns mit dem gleichen Begehr. Die Rucksäcke werden ähnlich wie am Flughafen durch eine Sicherheitsschlüssel gejagt und zwar nicht von jedem selbst, sondern von einem Security-Beamten, der sich nicht aus seinem Abteil bewegt, es sei denn man will das Gepäck selbst auf das Förderband legen. Dann allerdings kriegt man seinen geregelten Anpfiff. Das ganze Prozedere dauert allerdings so lange, dass wir dann in der Kathedrale nur noch Plätze etwas weiter hinten, aber immer noch in der vorderen Hälfte kriegen. Mehrmals ruft dann der Kirchendiener über das Mikrofon zur Ruhe auf. Das war früher schöner; der war früher uniformierten und nicht wie heute mit Lautsprecheranlage, sondern mit Schlagstock, Trillerpfeife und einer kräftigen, sonoren Stimme ausgerüstet. Wie dem auch sei, die Aufforderungen wirkten meist nicht sehr lange. Schräg rechts hinter uns war eine Gruppe deutscher Pilger, die offensichtlich Kirche und Kaffeehaus nicht unterscheiden könnte. Ich war versucht zu fragen, was an dem Wort „silencio“ denn so schwer zu verstehen wäre, mache es dann aber um des lieben Frieden Willens doch nicht.
Die Messe ist nicht wirklich voll aber ansonsten sehr schön, insbesondere der Gesang der Nonne, die bereits vor Beginn versucht hatte, uns spanische Zwischengesänge bei zu bringen. Am Ende schwang auch das berühmte weihrauchfass durch das seitenschiff. Ich bin nicht sicher ob ich da drunter sitzen wollte.
Danach gibt es erst mal ein Glas Weisswein zur Feier der Ankunft, zu essen kriegen wir in dem Lokal allerdings nichts. Wir wechseln dann in das Lokal nebenan, quasi unter dem Balkon unseres Zimmers. Allerdings erhalte ich auf meine bestellten Spiegeleier mit chourizo ein Omelette mit Krabben, und das bei meiner „Vorliebe“ für Meeresfrüchte. Es schmeckte dann doch aber gut.
Danach ab zum Pilgerbüro. Dort stehen wir vor verschlossenen Toren, da das Büro seinen Sitz verlegt hat. also weiter durch die Hitze auf die andere Seite der Kathedrale. Als wir das dann auch gefunden haben ist die Schlange der Compostela-Jäger lang und unbeweglich. Wir versuchen es später nochmal. Danach eine Runde durch die Stadt – meine Frau will shoppen. Auch später hat sich am Zustand der Schlange bzgl. Länge und Unbeweglichkeit nichts geändert. Ein freundlicher Securitymensch rät uns zu morgens neun Uhr. Wir beschließen, es doch um acht zu versuchen.

Tag 25, Santiago – Negreira, 06.06.2016

16 km, 07.30 Uhr bis 12.55 Uhr

Nach einem kurzen Stück durch die Vorstadt geht es ziemlich bergauf auf kleinen Wegen und bei erst mal eher grauem und feuchtem Wetter. Das wird dann im Lauf des ytages aber immer besser und als wir in Negreira ankommen knallt wieder die Sonne.
Hotel ist gut und wir schlafen trotz der vorbei führenden Hauptstrasse deutlich besser als in Santiago.

Tag 26, Negreira – Santa Marina, 07.06.2016

21,75  km, 07.50 Uhr bis 14.30 Uhr

Wegen der wieder für uns etwas längeren Etappe starten wir früh.
Durch das Tor hinaus und erst mal im Frühnebel die nächsten Hügel erklommen. es wird ein herrlicher Tag, sonnig und warm bis heiß.
Auf dem Weg zur vorgebuchte Casa Pepa lernen wir mal was ein spanischer Kilometer ist. Die Vorankündigung „Casa Pepa 1 km“, lässt uns aufleben. Die Zeit, die wir für den Kilometer brauchen, lässt uns eher befürchten, dass wir schon vorbei gelaufen sind. Nach ca. 45 Minuten für den einen Kilometer sind wir aber dann doch da.
Der Wirt ist ein guter Typ und fragt vor allen anderen Formalitäten was wir trinken wollen.
Nach der fälligen Wäsche genießen wir ein vorzügliches Menü müssen uns allerdings von einer Schweizerin, die für das was sie in ihrem Leben schon alles gemacht hat, deutlich über 100 Jahre sein müsste. Die war aber im Vergleich zu unserem deutschen Tischnachbarn noch ganz erträglich. Das war einer von der Sorte, die den Camino schon mit der Muttermilch aufgesogen haben müssen.
Die Nacht ist gut und ländlich ruhig.