Tag 13, Fonfria – Triacastela, 25.05.2016

9,7 km, 8.50 Uhr bis 11.50 Uhr

Noch am Frühstückstisch sah ich die beiden Hannoveranerinnen an der Hütte vorbei laufen, beide mit Regenumhang obwohl es noch gar nicht regnete.
Wir sind dann auch mal langsam aufgebrochen und wie sollte es anders sein, schon ging der Regen los. Also wieder den Poncho über, die Hände tief in den Taschen des Fleeces vergraben und los; es sah ja nicht so aus als würde es kurzfristig wieder aufhören. Trotz der eingepackten Hände hatte ich Probleme mit tauben Fingerspitzen an der linken Hand.
Wir kamen durch eine kleine Ortschaft, 5 Häuser, ein Bauernhof und eine Bar. Eine italienische Pilgerin spielte ausgiebig mit dem zum Gehöft gehörigen jungen Bernhardiner. Dieser nahm das Angebot freudig, hüpfte um den Spielpartner herum und schnappte übermütig nach dem Poncho. Ich hätte deutlich mehr Respekt vor dem Riesentier gehabt.
Aus der Bar kamen die beiden Hannoveranerinnen, die aber erst mal hinter uns blieben. Wie unterschiedlich doch das Temperaturdempfinden von Menschen ist, wurde ganz deutlich als uns eine junge Amerikanerin im luftigen, kurzen Turnhöschen überholte. Und wie unterschiedlich die Konstitutionen sein können sah man an einer jungen Pilgerin mit Strohhütchen, die lustig vor sich hin trällernd den steilen Weg runter einen flotten Hopserlauf hinlegte.
Die Hannoveranerinnen holten uns ein und wir gingen den Rest des Weges bis Triacastela zusammen. Am Ortseingang saß eine Freundin der beiden und wir verabschiedeten uns, da die Drei ein Taxi bis Barbadelo kurz hinter Sarria nehmen wollten, weil der Weg auf dieser Strecke viel an der Straße längs gehen sollte. Wir machten am Folgetag etwas andere Erfahrungen. Jedenfalls würden wir die beiden nicht mehr einholen und die mußten ja auch früher in Santiago sein als wir es geplant haben.
Wir suchten dann die Casa David und das war genau die Herberge, in die wir 2009 auch schon wollten, nur damals war sie voll und wir landeten in einer unterirdischen Absteige. Dank der Vorbuchung haben wir es diesmal besser getroffen.
Auch den Wäscheservice der Casa nutzen wir, um die Klamotten einmal wieder richtig sauber zu haben. Um 19.30 in den Pilgergottesdienst. Das war bei weitem nicht so schön wie 2009, entweder war der Pastor nicht mehr der gleiche – da waren wir beide nicht sicher- oder aber die Obrigkeit hat ihn wieder eingenordet.
Abendessen im Complejo Jacobeo war gut, Rita hat vorsichtshalber den Caldo Gallego weg gelassen aufgrund ihrer Erfahrungen. War insgesamt sehr gut.

Tag 12, O‘ Cebreiro – Fonfria, 24.05.2016

12 km, 8.50 Uhr bis 13.45 Uhr

Bei der kurz geplanten Etappe konnten wir in aller Ruhe im Hotel gegenüber frühstücken und brachen dann entsprechend auch erst kurz vor 10 Uhr auf. Zur Tür raus mussten wir als erstes den Poncho überziehen, um nicht gleich beim ersten und auch nicht dem letzten Schauer des Tages schon richtig nass zu werden.
An der Herberge zeigten die Markierungen zur Straße runter; der Weg, den wir vor 7 Jahren gegangen waren, war nicht ausgezeichnet. Wir schlugen trotzdem den Weg bergauf durch den Wald ein. Da dieser keinerlei Markierungen aufwies, war ich erst beruhigt als uns ein laufstarker Pilger in einem Höllentempo überholte. Apropos laufstark, meine Beine wollten an dem Tag bergauf mal überhaupt nicht. Ich plagte mich den nicht allzu steilen Waldweg hinauf als wäre ich kurz vor der Rente. Ich gehe davon aus, dass es an den beiden vorhergehenden Tagen lag mit dem Duro und dem Cebreiro.
In Linares war genau so der Hund verfroren wie vor 7 Jahren, nur dass damals besseres Wetter war. Durch eine kurze Senke durch ging es danach auf den ersten von 2 Pässen den Alto de San Roque mit der gen Santiago blickenden Pilgerstatue. Ich hatte hier eigentlich den Alto de Poio vermutet, der aber dann kurz darauf mit einem weiteren steilen Anstieg kam. Dort gab es noch mal ein kleines Frühstück und ich kam für mich zu dem Schluss, dass ich von Anstiegen, ob steil oder nicht erst mal die Nase voll hatte. Jedenfalls ging es danach bis Fonfria erst mal sanft bergab auf einem kleineren Weg parallel zur Straße. Lief ganz gut. Fonfria sah im immer noch andauernden Regen und mit der Gülle, die einem auf der Straße entgegen kam, nicht besonders einladend aus. Die Casa Lucas allerdings hatte es in sich. Geräumiges Zimmer, großzügiges Bad, eine gut warme Heizung und nach einiger Erholungszeit auch noch ein wohlschmeckendes Abendessen. Mit am Tisch hatten wir eine Koreanerin, die sich hier mit einem eigenen Zimmer und einem Menü, dafür belohnt, das sie ein „braves“ Mädchen war und ihr Tagessoll geschafft hatte.

Tag 11, Ambasmestas – O‘ Cebreiro, 23.05.2016

5 Minuten vor 8 ging es los. 15 km und rund 700 Höhenmeter Anstieg lagen vor uns und ich hatte doch reichlich Respekt davor, zumal nach den Strapazen der Camino Duro in den Beinen. Kalte 6 Grad und keine Aussicht auf Sonne in diesem Moment. Die Hände tief in den Taschen der Jacke vergraben ging es dann die ersten Kilometer immer entlang der Straße durch Ambasmestas und danach Vega de Valcarce stetig ansteigend aber mit einer Steigung, die man bequem gehen konnte.  In Ruitelan gab es dann in der ersten Bar Frühstück, da wir ja morgens wieder ohne aufbrechen mussten. Die war sehr gepflegt und sauber, was nicht immer vorausgesetzt werden kann.
Erst nach gut der Hälfte der Tagesetappe ging es dann auf einer kleinen Straße weiter durch Herrerias. Da wurden Pferde beschlagen, die man mieten konnte, um – vermutlich geführt – damit über La Faba auf den Cebreiro zu reiten.
Hinter Herrerias gab es dann die Wegeentscheidung zu treffen, weiter auf der kleinen kaum befahrenen Straße oder aber auf einem kleinen Pfad durch den Wald. 2009 hatten wir uns für die Straße entschieden, da der andere Weg als steil und anstrengend beschrieben war. Folgerichtig ging es diesmal durch den Wald und es war wunderschön weil kaum begangen und deshalb auch sehr ruhig, wenn auch anstrengend. Der Weg führte dann auch in La Faba direkt an der Kirche und der eigentlich von schwäbischen, aktuell aber von Paderborner Hospitaleros betreuten Herberge vorbei, wo wir auch ein paar Worte mit dem Herbergsvater wechselten. Dann zunächst wieder in die Bar auf einen Kaffee. In derselben hatten wir bereits 2009 Pause gemacht, damals jedoch unter völlig anderen Voraussetzungen, da es just hier so zu regnen anfing, dass wir die Strapazen des Anstiegs auf den Cebreiro vor lauter Regen und Matsch gar nicht wahr nahmen. Diesmal konnten wir uns auf die Steilheit des Weges und die Schönheit der Landschaft konzentrieren. Die Sonne kam dann auch immer weiter raus und es wurde noch ziemlich schweißtreibend bis wir endlich die Grenze nach Galizien überschritten und kurz danach auch vor der geplanten Zeit ankamen. Wir waren so früh, dass wir noch auf den transportierten Rucksack warten mußten. Danach haben wir noch ein wenig in der Sonne gesessen, eine Kleinigkeit gegessen und geschaut, wer sonst noch alles angekommen ist, wie z.B. Maria aus Polen, die wir in Murias kennengelernt hatten oder unsere mexikanischen Freunde aus Foncebadon. Um Sieben ging es dann in die Kirche zum täglichen Pilgergottesdienst. Hier war die Kirche dann tatsächlich ziemlich voll, allerdings nicht wirklich in Relation zu den am Ort übernachtenden Pilgern, aber jeder hat ja auch seine individuelle Motivation, den Weg zu gehen und das ist gut so. Da wir bei bei den Ersten in der Kirche waren wurde ich auch direkt zwangsverpflichtet, den Zwischengesang vor zu tragen. Zum Glück auf Deutsch.
Abendessen im Hotel O‘ Cebreiro waren für mich parilladas, auf Deutsch Schweinerippchen. Viel Arbeit und eine reduzierte Menge an Fleisch. Aber der Tinto war exzellent.

Tag 10, Villafranca – Ambasmestas, 22.10.2016

Punkt 8 Uhr waren wir auf dem Weg. Eine Einheimische wollte uns den Weg entlang der Straße lotsen, wir hatten uns aber für den Camino Duro entschieden der zwar heftige, steile Anstiege für den Pilger bereit hält, ansonsten sehr schön ist. Wie 2009 mussten wir auch diesmal direkt zu Beginn der Tour den Poncho überziehen, was bei dem ersten steilen Anstieg zu Beginn zu erhöhter Schweissbildung führte. Während er uns diesen Anstieg hinauf quälten, überholte uns im Eilzugstempo ein nicht gerade schlanker Brasilianer mit vollem Gepäck. Allmählich wurde die Steigung geringer, der Regen hörte auf und wir begannen die Sache zu genießen. In 2009 waren wir hier noch durch mannshohe Ginsterhecken gelaufen, die aber ganz offensichtlich einem Waldbrand zum Opfer gefallen waren. Der muss schon ein paar Jahre her sein, da zwar noch die verkohlten Fichtenstämme da standen, aber von unten auch schon wieder kleine Ginsterbüsche nach kamen.
Danach ging es eine Weile ziemlich eben durch weit gestreckte Kastanienwälder (Esskastanien), die auch bewirtschaftet werden. Wir trafen auch eine junge Frau, die offensichtlich zu viel aufgeschlagene Kastanien auslichtete. Dann ging es über schmale und schlecht ausgeschilderte Pfade weiter durch den Kastanienwald ehe der steile Abstieg ins Tal des Rio Valcarce begann. Unten in Trabadelo angekommen gab es erst mal eine kleine Belohnung für die Strapazen, Kaffee und Bocadillos.
Nach einer regenerativen Pause ging es dann entlang der Straße, die zum Glück aber wenig befahren war, das Tal des Rio Valcarce aufwärts. Den Fluß überquerten wir in der Folge mehrfach ehe wir vorbei an der regionalen Forellenzucht noch vor dem Ortsanfang von Ambasmestas unsere Bleibe Hostal Camynus erreichten, in dem wir an diesem Tag auch die einzigen Gäste blieben. Dort fanden wir ein schönes Zimmer vor mit der bislang besten Dusche, heiß mit Druck auf der Leitung. Das abendliche Mahl war dann eher eine Enttäuschung und das mit 50% Aufschlag auf sonst übliche Menüpreise.

Tag 9, Fuentes Nuevas – Villafranca, 21.05.16

19,7 km, 9.00 Uhr – 15.15 Uhr

Die Etappe sollte eigentlich kürzer werden wurde dann aber mit knapp 20 Kilometern doch noch lang genug. Über kleine asphaltierte Strassen ging es durch Camponaraya bis Cacabelos, wo wir uns in einem Innenhof einer kleinen Bar unser zweites Frühstück gönnten. Am Nebentisch saß eine junge Münsteranerin mit ihrem Vater, die gemeinsam auf dem Camino unterwegs waren, sie flott zu Fuß und mit Rucksack, er – da in die Jahre gekommen- mit kleinem Gepäck und häufiger per Taxi. Die junge Pilgerin half meiner Frau dann noch mit einem Blasenpflaster aus, dann ging es weiter. Durch Cacabelos frischten wir alte Erinnerungen an 2009 auf mit einer interessanten Herberge rund um die Kirche und Sweeties (ein Insider). Aus dem Ort raus ein schier nicht enden wollender Anstieg immer entlang der imageStraße. Erst einige Kilometer vor Villafranca ging es abseits der Straße durch die Weinberge mit sehr unterschiedlich Kulturweisen, alle aber bodennah und sicherlich bei Pflege und Ernte nicht besonders rückenschonend.
imageDas Hostal lag etwas abseits des Zentrums, was uns dann auf dem Weg zur Kirche und zurück noch einige Extrakilometer bescherte.
Die Kirchenbänke waren unter den Sitzflächen beheizt, was die ganze Angelegenheit angenehmer machte.
Auf dem Rückweg gönnnten wir uns dann noch ein Menü mit Blick auf den Rio Valcarce.

Tag 8, El Acebo – Fuentes Nuevas, 20.05.2016

El Acebo – Fuentes Nuevas, 26,5 km, 8.00 Uhr bis 16.30 Uhr

Selten so platt gewesen!!
Früh aufgestanden um auch früh weg zu kommen. Wir waren aber dann fast die letzten, da andere offensichtlich noch früher weg wollten. Den Zimmerschlüssel wollten wir abgeben, nur vom Personal war noch keiner auf. Die Haustür hatten wir hinter uns zugezogen, also konnte ich den Schlüssel nicht wieder aufs Zimmer bringen. Ich hatte aber noch 2 Jungs im Garten gesehen, die ich für Italiener hielt. Also versuchte ich den beiden in allen mir bekannten Fremdsprachen bei zu bringen, dass mir einer die Tür wieder aufmacht. Als einer begriffen hatte, was ich wollte, sagte er dem anderen Bescheid, in welcher Sprache?? Auf Deutsch!! Das hätte ich ja einfacher haben können.
Schlüsselproblem gelöst, es kann losgehn. Insgesamt sind es bis Ponferrada rund 700 Höhenmeter die es nach unten geht. Erst ein bisschen die Straße längs, dann aber auf schönen kleinen Pfaden entlang eines Bachs nach unten. In Molinaseca suchten wir uns ein schönes am Fluss gelegenes Lokal für ein typisch spanisches Frühstück, neben Kaffee und Tostadas noch frisch gepressten Orangensaft. Gut erholt ging es dann weiter die Straße entlang bis Campo – ziemlich ätzend aber es sollte noch schlimmer kommen. An dieser Stelle muß ich noch vermerken, dass wir 2 km hinter Molinaseca die ersten 100 Kilometer in diesem Jahr geschafft hatten. Hier ging es aber erstmal wieder über Feldwege durchs Gelände. Am Wegesrand entdeckten wir zwei ineinander verschlungene Schlangen. Ich wollte ein Foto machen, traute mich aber nicht so nahe dran. Als die sich dann unverhofft verkriechen wollten, machte auch ich einen Satz nach hinten.
Danach ein paar Kilometer noch Ponferrada rein über Asphalt, der inzwischen auch die Hitze der Sonne von unten wieder reflektierte. Und weit und breit wenig Schatten. Ziemlich geschlaucht kamen wir auf dem Hauptplatz neben der Kirche an und gönnten uns in der Bar „4 Tapas“ eine Kleinigkeit zu essen und ein kühles Getränk. Danach kurz in die Kirche und dann wieder auf den Weg. Hier in Ponferrada haben wir in 2009 unseren Camino gestartet. Um die Folgeetappe kurz zu halten, hatten wir ein Hostal hinter Ponferrada gebucht; die Entfernungsangaben bewegten sich zwischen 4 und 7,5 km. Um es vorweg zu schicken die 7,5 waren richtig. Die Hitze nahm noch zu und die Füße taten weh und die Beine wurden schwerer und schwerer. In Fuentes Nuevas konnten wir das Hostal Monteclaro nicht finden und Leute, die wir fragten wollten uns weiter nach Camponaraya schicken. Google Maps zeigte uns dann bereits am Dorfende angekommen den richtigen Weg, allerdings erst mal einen Kilometer zurück und dann noch einen Kilometer abseits des Camino. Die Laune wurde dadurch bei keinem von uns besser.
Die Unterkunft war auch eher bescheiden, kein Internet auf dem Zimmer und Lärm vor der Bude, weil bis weit nach Mitternacht die örtliche Jugend alle halbe Stunde zum Rauchen aus der Disco, die sich im Haus befand auf die Strasse begab und dort lautstark palaverte. Kurz nach ein Uhr morgens zogen die dann endlich von dannen, nicht ohne beim Wegfahren den Motor des jeweiligen
Gefährts tief in den roten Drehzahlbdreich hoch zu jagen.
Da störte das Klappern der Störche auf den 4 Flutlichtmasten des benachbarten Stadions nicht mehr, sondern klangen eher wie Musik.

Tag 7, Rabanal – El Acebo, 19.05.2016

Rabanal – El Acebo, 18 km, 8.00 Uhr bis 14.20 Uhr

Wir hatten beschlossen, den Tag mit dem Weg und nicht mit dem Frühstück zu beginnen und machten wir uns um 8 Uhr auf. Entgegen allen meinen Hoffnungen hatte der Wind vom Vortag kein bisschen nachgelassen, sondern blies mit Eiseskälte von den Bergen herunter. Ich musste dann tatsächlich erst mal die Handschuhe raus holen.
Die Wetterprognose war gut auch wenn auf den Höhen der Nebel hing. Auf 6 Kilometer sollten wir rund 300 Höhenmeter überwinden und so ging es denn auch stetig bergauf. Als es dann in den Nebel hinein ging wurde es auch nicht wärmer. Also in den nächsten nicht so verfallenen Bau vor dem ein Schild mit „Bocadillos“ stand, die hatten aber noch nicht auf. Also gegenüber rein. Dort gab es dann tatsächlich Bocas und Kaffee, diesen allerdings nicht aus der Maschine sondern aus der Warmhaltekanne, weil das auch das Frühstück für die Herberge Gäste war.
imageWir waren jedenfalls gestärkt und packten dann den letzten größeren Anstieg zum Cruz de Ferro an. Inzwischen war die Sonne raus und damit auch das Feeling etwas besser. Am Kreuz soll man der Überlieferung zufolge mit einem mitgebrachten Stein all seinen Ballast ablegen können; insgesamt war es aber ein touristisch geprägter aplatz zu dem die Touris auch in Bussen befördert werden.
Beeindruckend war allerdings eine offensichtlich mit Kinderlähmung gestrafte Frau, die sich mit Unterstützung ihres Manne den letzten Anstieg hoch quälte. Wir haben uns dann auch schnell vom Acker gemacht und gingen an den Abstieg. Erst ging es allerdings noch ein paar Kilometer ziemlich eben dahin. Dann aber kam der Abstieg, der doch eine Herausforderung darstellte, steil und steinig.

Nicht nur für uns. Zwei Hannoveranerinnen, die wir die Tage zuvor kennengelernt hatten, fragten ziemlich am Ende wie weit es denn noch bis Acebe wäre. Das Zimmer ist klein, das Bad noch kleiner und mit dem Zimmer nebenan geteilt, naja für 24 Euro?! Die Sonnenterrasse allerdings ist nicht schlecht und mit einem gut gekühlten Getränk lässt es sich hier aushalten. Der verdiente Lohn nach den Strapazen.
Das Menü war dann auch sehr gut.

18.05.2016. Tag 6

Murias de Rechivaldo – Rabanal del Camino, 16,3 km, 7.50 Uhr bis 13.10 Uhr

Es sollte die erste etwas längere Etappe mit knapp 18 km sein, die es aber dann doch nicht wurden, weil wir den empfohlenen Alternativweg durch ein Vorzeigedorf der Maragateria verpassten. Damit waren es dann einen knappen Kilometer weniger.
Die Maragateria ist die Gegend zwischen Astorga und den Bergen von Leon, deren Überquerung mit dem Cruz de Ferro morgen ansteht.
Die heute durchwanderte Gegend ist ziemlich karg und feucht und hügelig mit einem stetigen leichten Anstieg in Richtung der Berge. Weil die Etappe lang und ansteigend angekündigt war, waren wir entsprechend früher auf dem Weg. Auf teilweise schmaleren Wegen durch das Gelände war es ganz schön zu laufen. Zum ersten Mal auch bereits blühender Ginster in gelb und weiß entlang des Wegs. Andere Stücke ging es aber auch über die Strasse.
Trotz wolkenlosem Himmel konnten wir nicht ohne Jacke bzw. langärmelige Klamotten laufen, da permanent ein lausig kalter Wind von vorne aus den Bergen mit manchmal ziemlich heftigen Böen herunter kam. Das hatte aber wenigstens den Vorteil, dass die Wäsche auf der Terrasse, die unser Zimmer in einer etwas besseren Unterkunft hatte, nach einer guten Stunde schon trocken war.
Vesper im Kloster, Abendessen das viel zu üppig war, danach noch mal zu den Patres zur Komplet und dann ab ins Bett. Endlich etwas wärmer.

17.05.2016 Tag 5

San Justo de la Vega – Murias de Rechivaldo, 9 km, 9.00 Uhr bis 13.40 Uhr

Diese Etappe ist bewusst kurz geplant, um in Astorga auch Zeit für die Sehenswürdigkeiten der Stadt, die Kathedrale und den Bischofssitz -beide ein touristische Muss- zu haben. Um uns nicht mit dem vollen Gepäck herum plagen zu müssen, ließen wir einen unserer Rucksäcke durch die wunderbare Firma Jacotrans transportieren.
Die Strecke bis Astorgas bot nichts an Besonderheiten; trockene geschotterte Wege.
In Astorga war dann im Zentrum Wochenmarkt. Hier gab es alles was man sich denken kann. Interessant war der tiefgefrorene Fisch auf dem Verkaufstisch, bei dem ich mich fragte, wie lange der bei den bereits steigenden Temperaturen seinen frischen, gefrorenen Zustand behalten würde.
Nach kurzer Rast auf einer schattigen Bank machten wir uns auf ins touristische Zentrum. Der Bischofssitz, ein Bau von Gaudi, imageist imposant und eigentlich mit der gebotenen Demut der katholischen Würdenträger nicht vereinbar. Kein Wunder dass auch bei uns zu Hause der ein oder andere die Relationen außer Acht lässt. Für die Kathedrale habe ich dann entgegen meiner Überzeugung Eintritt bezahlt. Trotz der interessanten Architektur, Gotik auf Romanik aufgesetzt, werde ich in Zukunft wieder zu meinen Prinzipien zurück kehren.
Mittags dann in Murias haben wir eine wunderbare Unterkunft bezogen, wenn man mal davon absieht, dass im Zimmer, entgegen den Ankündigungen kein Internet verfügbar war. Das Abendessen war wieder vegetarisch. Ich werde den Verdacht nicht los, dass die vegetarisch anbieten, um nicht zweifach kochen zu müssen. Ich hatte rechts von mir ein französisches Paar sitzen, was mir die Gelegenheit gab, mein eingerostetes Schulfranzösisch zum Besten zu geben. Naja für die Standard Unterhaltung von Pilgern – wo kommst du her, wo willst du hin usw. – hat es dann doch gereicht. Gegenüber saß ein junger Ösi. Das war dann leichter.

16.05.2016 Tag 4

Hospital de Orbigo – San Justo de la Vega, 14 km, 9.30 Uhr bis 15.00 Uhr

Der Tag der breiten Pisten. Erst ging es zwar über kleine Sträßchen, dann allerdings über breit in die Landschaft planierte Pistena deren Sinn uns bis heute noch nicht ganz klar ist. Entweder sind die vorsichtshalber für die Brandbekämpfung vorgesehen oder aber dienen der Wasserwirtschaft, da in der Gegend viel Wasser fließt auch wenn es Tage nicht geregnet hat.
Unterwegs gegen Ende der Tour kamen wir am „Casa de los Dioses“ , wobei det Plural bei Dios für mich per se schon eine Herausforderumg darstellt. Das Etablissement betrieben zwei Gestalten, die einem Film aus den Sechzigern/Siebzigern entsprungen sein konnten, sozusagen einem postmodernen Hippieverschnitt und das Ganze natürlich steueroptimiert auf Spendenbasis.
Kurz vor San Justo hatten wir dann einen herrlichen Ausblick auf Astorga und die Türme der Kathedrale. So zu sagen eine Vorausschauend auf den kommenden Tag.