Tag 14, Caldas de Reis, 17.05.17, Ruhetag

Auch mal schön morgens aus zu schlafen und danach ein ausgiebiges Frühstück zu genießen. Nach einem kurzen Gespräch über die weiteren Pläne und dem Austausch von Tips für Santiago und Fisterra mit Anja aus Lübeck machte diese sich auf den Weg.
Wir machten einen kurzen Stadtbummel, an der Kirche vorbei, wo wir uns einen Stempel für den Credencial holen wollten; ich hatte meinen allerdings nicht dabei. Sollte auf dem Jakobsweg eigentlich nicht passieren.
Augenscheinlich sollte hier eine Taufe stattfinden; der Täufling -nicht mehr ganz klein- war aber etwas unwillig und schrie einfach nur.
Nach einem kurzen Spaziergang den Fluss entlang und auch an dem Thermalbrunnen vorbei ging es wieder zurück ins Hotel.
Ich machte mich mit meinem Credencial noch mal auf den Weg zur Kirche um den Stempel doch vormittags zu holen. Hier schrie der Täufling immer noch, diesmal allerdings bei der unbedingt notwendigen Fotosession.
Danach Abhängen im Bungalow, bzw. danach auch am Pool.

Abends 20 Uhr Gottesdienst. Die Dame, die uns morgens so freundlich den Stempel angeboten hatte, zeigte deutlich, dass der Pfarrer hier erst an zweiter Stelle kommt, nämlich nach ihr. Der Gottesdienst war ganz gut, auch mit Fürbitte für die Pilger, darüber hinaus ziemlich unspanisch, weil der Geistliche sehr langsam sprach.

Danach gab’s noch Pilgermenü und dann ab ins Bett.

Tag 8, Vitorino de Piaes – Ponte do Lima, 14,5 km

Ich hatte ausgeschlafen, es war aber noch nicht Zeit fürs Frühstück, das von Donha Fernanda für 8 Uhr vorgesehen war. Also noch mal umgedreht und dem auf das Vordach tromelnden Regen gelauscht. Die Freude war gross noch nicht unterwergs sein zu müssen, aber die Hoffnung auch klein, dass es bald mal besser werden würde. Da sich die ersten Pilgerfreunde bereits vor unserem Fenster tummelten standen wir dann doch auf. Beim Frühstück fanden wir dann Jocinto in die Rolle der Küchenchefin geschlüpft, Kaffee, Rührei und andere Leckereien für uns zubereiten. Die Chefin war offensichtlich noch nicht auf. Sie kam aber dann doch noch vor dem letzten Pilger, von dem einige schon annahmen, dass er wohl noch längewr in der Koje liegen würde, wenn ihn keiner weckt. Auch er kam dann irgendwann, deutlich vom Vorabend gezeichnet und erst mal nach Wasser verlangend.

Nach ausgiebigem Frühstück, wurden die Credenciales gestempelt, unsere Spenden abgeliefert und Abschied genommen. Im Poncho ging es dann los, dauernder Regen machte das Wandern nicht schöner aber dafür schneller, weil man dann ohne rechts und links zu Schauen einfach vor sich hin läuft. Die Wege waren zum Teil sehr schön, aber halt bei diesem Wetter nicht wirklich zu genießen.

Unterwegs trafen wir einige Pilger wieder, die wir schon kannten, u.a. die etwas unrund laufende Pilgerin, die gestern mit ihren beiden Freundinnen noch in der Casa Malinhas untergekommen war; und dort soll es auch sehr schön gewesen sein. Wenn die mal nicht immer so laut wäre, könnte man sie auch besser aushalten. Wir sassen in der Bar zum Pausenkaffee, da überholte uns Maria aus Köln, die uns schon morgens beim Start mit „Bis später“ verabschiedete. Wohlgemerkt wir waren eher losgelaufen.

Danach ging es mal rauf, mal runter an Strassen entlang oder durch Wälder in Richtung Ponte do Lima, wo uns ein reserviertes Hotelzimmer erwartete.
Eine deutsche Pilgerin wusste trotz reicher Ausstattung mit Pilgerliteratur nicht wo sie war. Der am Wegrand stehender Bildstock

war dann allerdings auch in ihrem Buch abgebildet.
Das Wetter wusste auch nicht so recht wohin. Immer wenn wir den Poncho abgestreift hatten, kam der nächste Schauer, zogen wir ihn über, kam die Sonne raus; dann war es unter dem Poncho nicht aus zu halten. Zum Glück war die Etappe heute mit 15 km nicht allzu lange und viel mehr musste es auch nicht sein. Kurz nach 13 Uhr waren wir dann eingecheckt und im Zimmer.
Nach Duschen und der kleinen Wäsche (Hemd etc.) im Waschbecken des Zimmers und einer kurzen Siesta gingen wir erst mal eine Kleinigkeit essen und trinken in das zum Hotel gehörige Restaurant.

Tag 3, Porto – Perafita, 17,8 km

Endlich geht es richtig los! Keine Touri-Veranstaltung mehr, sondern Wandern Richtung Santiago. Bei strahlendem Sonnenschein einmal zum Startpunkt Kathedrale, die im Sonnenschein auch freundlicher aussieht.

Vor der Kathedrale treffen wir noch ein Pärchen aus Kanada, die ursprünglich aus Rumänien ausgewandert sind und 2 Pilger aus Karlsruhe.
Der Kanadier fragt nach meinem Plan, ich sage Santiago, er sagt lachend „gut aber nicht besonders originell“.
Danach geht es dann auf den Weg, runter zum Fluss, durch die Ribeira (siehe gestern) und immer dem Wasser folgend zwischen dem Ufer des Douro und den Gleisen der antiken Straßenbahn Richtung Atlantik.

Die Atlantikwelle kommt schon von weitem sichtbar über die Mauer an der Douromündung. Nach wie vor wolkenloser Himmel. Bis Matosinhos geht es immer mal an einer Promenade oder aber über im Sand errichtete Holzpfade entlang dem Atlantik. Überall rauschen die Atlantikwellen auf den Strand oder gegen Felsen und geben eine wunderbare Ger4äuschkulisse.
In Matesinhos selbst konnten wir lernen, dass hiesige Möwen nicht mehr im Meer fischen sondern sich an der Fischfabrik um Abfälle zanken.
Die Zugbrücke über den Fluss Leca zwang uns zum Glück nicht zu einer unfreiwilligen Pause. Nach der Brücke wieder raus Richtung Meer. Auf dem Weg dahin noch die Pausenverpflegung gekauft.

Das gibt es dann für preiswerte 2,10 €.

Weiter über Holzbohlen immer entlang des Atlantik. Wegen des Wochenendes war es ziemlich belebt und laut. Alle wollten den herrlich sonnigen Tag am Strand verbringen.

Tag 1, Gladbeck – Porto, 04.05.17

Endlich geht es los. Die Rucksäcke waren schon flugfertig verpackt. Im blauen Müllsack und üppig mit Packband umwickelt.

Die Fahrt zum Flughafen etwas zäh wegen der an diesem Tag beginnenden Interpack in Düsseldorf, aber wir hatten ja ausreichend Reserve eingebaut. Bei der Gepäckaufgabe wurden wir dann an den Schalter für „bulky luggage“ verwiesen. Da wurde dann mein Rucksack durchleuchtet und festgestellt, dass mein Laptop da drin war; ich hatte irgendwo gehört, dass man Laptops nicht mehr im Handgepäck mitnehmen darf. Jedenfalls hiess es dann erst mal: Laptop auspacken und anmachen. „Das ist ja wohl nicht Euer Ernst“. War es aber. Die schöne Verpackung. Mein Rucksack musste dann erst mal halb verpackt auf die Reise gehen. Danach noch reichlich Zeit bis zum  Boarding.

Ein überaus entspannter Flug mit Eurowings. Ausreichend Beinfreiheit und drei Sitze für mich, da die Maschine nur gut zur Hälfte gebucht war. Pünktlicher Touch Down in Porto und wir haben eine Stunde geschenkt bekommen. Mit dem Bus ins Zentrum über 20 km für 1,90; ganz schön preiswert.

Einchecken und Zimmer beziehen, das ist ganz schön klein aber halt auch preiswert und zentrumsnah und vor allem sauber.

Auf einem ersten Stadtbummel haben wir dann schon einen guten Teil der Sehenswürdigkeiten abgearbeitet (Bilder siehe unten).
Insgesamt ist die Stadt aber kein touristisches Highlight, laut, unruhig und bei genauerem Hinsehen doch ziemlich herunter gekommen.
Darüber hinaus -das ist aber mehr ein persönliches Problem- gibt es in dieser Stadt kaum Wege/Straßen, die eben verlaufen. Es geht entweder runter oder rauf und beides stellenweise ziemlich steil.
Einkaufen ist hier schwierig in Ermangelung von Geschäften; jedenfalls haben wir so recht nichts gefunden.
Die abendliche Lektüre ließ uns lernen, wo wir hingehen mussten.

Die Nacht war lang aber auch sehr, sehr laut und das bis in die Morgenstunden hinein (5.30 Uhr). Bässe wummerten durch das Haus und erschütterten es in seinen Grundfesten. Keine Ahnung wo das her kam. Gefühlt aus dem Keller des Hauses. Zwischendurch ergoss sich auch das Auditorium auf die Straße und lärmte dort in unveränderter Lautstärke weiter. An Schlafen bei offenem Fenster war jedenfalls nicht zu denken. Dass wir hier in der Partyzone der Stadt gelandet waren erfuhren wir erst am nächsten Morgen beim Frühstück und diese Tatsache lässt auch für die 2. Nacht nichts Gutes ahnen.

 

 

Wir wollen wieder los!!!

Wir können es doch nicht lassen.
Immer schon haben wir auch über den potugiesischen Weg gesprochen.
Jetzt ist es tatsächlich so weit.
Diese Art Urlaub zu machen lässt uns irgendwie nicht los, auch wenn wir das eigentliche Ziel „von Gladbeck nach Santiago“ bereits hinter uns gebracht haben.
Es ist halt entspannend einfach in den Tag hinein zu laufen und mehr oder weniger allles auf sich zukommen zu lassen.
Anfang Mai geht es dann los. Die Flüge sind gebucht und die Herbergen für die ersten beiden Tage auch. Von wegen alles auf sich zukommen lassen!?!
Diesmal werden es allerdings auch keine 6 Wochen sondern nur gute zwei.
Bis es so weit ist geniessen wir die Vorfreude.

Tag 9, Fuentes Nuevas – Villafranca, 21.05.16

19,7 km, 9.00 Uhr – 15.15 Uhr

Die Etappe sollte eigentlich kürzer werden wurde dann aber mit knapp 20 Kilometern doch noch lang genug. Über kleine asphaltierte Strassen ging es durch Camponaraya bis Cacabelos, wo wir uns in einem Innenhof einer kleinen Bar unser zweites Frühstück gönnten. Am Nebentisch saß eine junge Münsteranerin mit ihrem Vater, die gemeinsam auf dem Camino unterwegs waren, sie flott zu Fuß und mit Rucksack, er – da in die Jahre gekommen- mit kleinem Gepäck und häufiger per Taxi. Die junge Pilgerin half meiner Frau dann noch mit einem Blasenpflaster aus, dann ging es weiter. Durch Cacabelos frischten wir alte Erinnerungen an 2009 auf mit einer interessanten Herberge rund um die Kirche und Sweeties (ein Insider). Aus dem Ort raus ein schier nicht enden wollender Anstieg immer entlang der imageStraße. Erst einige Kilometer vor Villafranca ging es abseits der Straße durch die Weinberge mit sehr unterschiedlich Kulturweisen, alle aber bodennah und sicherlich bei Pflege und Ernte nicht besonders rückenschonend.
imageDas Hostal lag etwas abseits des Zentrums, was uns dann auf dem Weg zur Kirche und zurück noch einige Extrakilometer bescherte.
Die Kirchenbänke waren unter den Sitzflächen beheizt, was die ganze Angelegenheit angenehmer machte.
Auf dem Rückweg gönnnten wir uns dann noch ein Menü mit Blick auf den Rio Valcarce.

Tag 7, Rabanal – El Acebo, 19.05.2016

Rabanal – El Acebo, 18 km, 8.00 Uhr bis 14.20 Uhr

Wir hatten beschlossen, den Tag mit dem Weg und nicht mit dem Frühstück zu beginnen und machten wir uns um 8 Uhr auf. Entgegen allen meinen Hoffnungen hatte der Wind vom Vortag kein bisschen nachgelassen, sondern blies mit Eiseskälte von den Bergen herunter. Ich musste dann tatsächlich erst mal die Handschuhe raus holen.
Die Wetterprognose war gut auch wenn auf den Höhen der Nebel hing. Auf 6 Kilometer sollten wir rund 300 Höhenmeter überwinden und so ging es denn auch stetig bergauf. Als es dann in den Nebel hinein ging wurde es auch nicht wärmer. Also in den nächsten nicht so verfallenen Bau vor dem ein Schild mit „Bocadillos“ stand, die hatten aber noch nicht auf. Also gegenüber rein. Dort gab es dann tatsächlich Bocas und Kaffee, diesen allerdings nicht aus der Maschine sondern aus der Warmhaltekanne, weil das auch das Frühstück für die Herberge Gäste war.
imageWir waren jedenfalls gestärkt und packten dann den letzten größeren Anstieg zum Cruz de Ferro an. Inzwischen war die Sonne raus und damit auch das Feeling etwas besser. Am Kreuz soll man der Überlieferung zufolge mit einem mitgebrachten Stein all seinen Ballast ablegen können; insgesamt war es aber ein touristisch geprägter aplatz zu dem die Touris auch in Bussen befördert werden.
Beeindruckend war allerdings eine offensichtlich mit Kinderlähmung gestrafte Frau, die sich mit Unterstützung ihres Manne den letzten Anstieg hoch quälte. Wir haben uns dann auch schnell vom Acker gemacht und gingen an den Abstieg. Erst ging es allerdings noch ein paar Kilometer ziemlich eben dahin. Dann aber kam der Abstieg, der doch eine Herausforderung darstellte, steil und steinig.

Nicht nur für uns. Zwei Hannoveranerinnen, die wir die Tage zuvor kennengelernt hatten, fragten ziemlich am Ende wie weit es denn noch bis Acebe wäre. Das Zimmer ist klein, das Bad noch kleiner und mit dem Zimmer nebenan geteilt, naja für 24 Euro?! Die Sonnenterrasse allerdings ist nicht schlecht und mit einem gut gekühlten Getränk lässt es sich hier aushalten. Der verdiente Lohn nach den Strapazen.
Das Menü war dann auch sehr gut.

14.05.2016 Tag 2

La Virgen del Camino – Villar de Mazarife, 13,8 km, 9.30 Uhr – 14.30 Uhr

Nach einem echt spanischen Frühstück (Milchkaffee und 2 Plätzchen) noch schnell einen Abstecher in den örtlichen Laden, um die Proviantreserven auf zu füllen.
Um halb zehn waren wir auf dem Weg. Als wir von der Hauptstraße weg waren wurde es erst mal matschig, ein untrügliches Zeichen, dass es in den letzten Tagen geregnet hatte und in dem Lehmboden nichts versickert. Ist aber kein Problem, wenn man bei Globetrotter gut beraten wurde und deshalb wasserdichte Wanderstiefel hat.

In Oncina de la Valdoncina überraschte uns ein Stand mit Getränken, Obst und allerlei Kram. Das Ganze nicht im Verkauf sondern auf Spendenbasis; wenn das mal nicht mit der Steuer zusammenhängt?!?

Nach einem Cafe con Leche ging es dann weiter und gegen halb drei waren wir am Ziel, der Herberge San Antonio de Padua. Zum Glück hatten wir reserviert, denn der Zulauf war doch ziemlich groß.
Im Nachbarzimmer waren zwei Pilgerinnen aus dem Allgäu, Vorarlberg oder der Schweiz untergebracht, jedenfalls mit unüberhörbar alemannischem Spracheinschlag. Da das Haus sehr hellhörig war und eine der beiden die ganze Welt von ihren Erlebnissen unterrichten musste darüber hinaus auch noch nicht erkannt zu haben schien, dass die Übertragung beim Telefon durch Lautstärke auch nicht besser ist, wurden wir so bis zum Abendessen durchgehend beschallt, wussten dann auch was die beiden so erlebt hatten und wie sie bei der Buchung von Unterkünften vorgingen.
Hoffentlich schnarchen die beiden nicht!!!
Nach dem gemeinsamen Abendessen, einem ausnehmend wohlschmeckendem vegetarischen 4-Gänge-Menü, planten wir unseren nächsten Tag da kam doch aus dem Nebenzimmer der Satz:
„Hallo, wir verstehen jedes Wort das Sie sagen!“. Na das war ja mal eine Überraschung.
Die Nacht war dann aber ganz ruhig.