Tag 13, Pontevedra – Caldas de Reis, 16.05.17, 21,5 km

Nach einer ruhigen Nacht in dem großzügigen Appartement ging es quer durch die Stadt in Richtung der Brücke auf der der Jakobsweg verläuft. Wir kommen an einer Bar vorbei die schon auf hat, entschließen uns aber bis zur ersten Bar unterwegs zu laufen und dort zu frühstücken, Wir hätten mal besser im Vorfeld im Führer über die Etappe gelesen. Dort wurde die erste Bar nach gut 10 km avisiert und das entsprach dann auch unglücklicherweise auch der Realität. Also nach ca. 5 km eine kurze Pause bei Wasser und Brot (ein Stück trockenes Brot, das wir seit einigen Tagen  mit uns rum schleppten – zum Glück) und dann ging es weiter. Ein schöner sonniger Tag. Es geht auch immer ein bisschen bergauf, manchmal auch etwas mehr als ein bisschen, sehr zu meiner Freude aber zum Glück auch immer nur ein kurzes Stück.
Endlich kamen wir an der Bar an und konnten auch einen aschönen Platz unter Weinranken mit ein wenig Schatten ergattern.
2 Cafe con Leche, 2 mal frisch gepressten O-Saft und 2 Bocadillos, so gestaltet sich ein Tag wunderbar. Das konnten auch ein paar Regentropfen nicht stören.
Von hier an ging es dann überwiegend bergab nach Briallos. Kurz davor machten wir bei „Vinos y Tapas“ noch mal Pause beschränkten aber auf Cola, im Gegensatz zu einem deutschen Pilger aus der Gegend von Wiesbaden, der sich hier mit einer Ración Serrano, Chorizo und Käse und einer Copa Vino Tinto (und der Rotwein wurde hier tatsächlich in Schalen ausgeschenkt) für den zurückgelegten Weg entschädigte.
Rita entschied sich, obwohl sie morgens erst doch Schmerzen hatte, weiter bis Caldas de Reis (5km) zu laufen. Mir war das schon recht. Der restliche Weg verlief zum Glück phasenweise im Wald, denn inzwischen war die Sonne ganz raus und es ging auch nicht der kleinste Windhauch.
So wurden diese letzten Kilometer doch noch ziemlich anstrengend, weil heiß und drückend.
Im Hotel Baleario Acuna wurde uns unser Bungalow zugewiesen und der Besuch des Pools mit Thermalwasser entschädigte voll und ganz für die vorherigen Strapazen. Die Wassertemperatur von 31° kam mir beim reingehen doch sehr entgegen.
Im Pool waren auch 2 Pilger, die uns im Lauf des Morgens überholt hatten. Ich hatte sie aufgrund ihrer Unterhaltung „wir gehen im Gänsemarsch wie beim Bundesheer“ regional schon richtig einsortiert. Sie waren am Traunsee zu Hause.
Abendessen gab es dann auf der anderen Strassenseite mit Marinus und Rietje, den Holländern aus Ottenstein. Das Essen war lecker, der Tinto auch nicht zu verachten und so war es doch halb elf als wir Abschied nahmen; wir würden die beiden aufgrund unseres Ruhetages (wir waren insgesamt zu schnell) nicht mehr treffen, jedenfalls nicht auf dem Camino.

Tag 12, Redondela – Pontevedra, 15.05.17, 21,5 km

Nach einer doch überraschend guten Nachtruhe trotz des etwas desolaten Quartiers ging es dann ohne Frühstück los, nachdem wir den Rucksack in der Bar abgegeben hatten und man mir den Tuitrans-Umschlag abgenommen hatte. Das hatte seinen Grund darin, dass wohl schon mehrfach Tüten mit dem Geld (5,–€) für den Transport abhanden gekommen waren. Es dauerte allerdings eine Weile bis ich aus dem spanischen Wortschwall erraten konnte worum es ging.
Dann als raus aus der Bar, über die viel befahrene Straße und schon ging es erheblich steil bergauf. Ich hatte das ja schon gelesen, trotzdem war es durchaus eine Herausforderung.

Tag 2, In Porto

Nach einer wie bereits erwähnt nicht besonders erholsamen Nacht starten wir um 9.00 Uhr mit einem kleinen Frühstück; Brötchen, Marmelade und ein Croissant.
Danach geht es auf einen ausgedehnten Stadtrundgang nach einer Empfehlung aus dem Internet; das hat den Vorteil, dass man nicht planlos durch die Stadt läuft und trotzdem nur die Hälfte sieht. Los geht es an der berühmten Buchhandlung Lelli. Schnell ein Blick durech die Tür auf das interessante Treppenhaus, da uns 4 € Eintritt pro Nase doch zu teuer erscheint. Danach erkunden wir den Markt „Mercado do Bolháo“.

Weiter zum Café Majestic aus dem Jahr 1921, das einen ähnlichen Flair ausstrahlt wie ein typisches Wiener Kaffeehaus. Die Einkaufsmeile runter in Richtung Ponte de D. Luis I. In dieser Straße waren exakt die Häusern renoviert und schön, in denen ausländische Unternehmen ihre Ware anboten: Adidas, Swarowski etc.; bei Benetton allerdings auch nur das Erdgeschoss.
Dann ging es über die bereits genannte Brücke auf die andere Seite des Douro, wo sich alle Portweinproduzenten angesiedelt hatten. Die Brücke selbst ist eine imposante Stahlkonstruktion und führt in 2 Etagen über den Fluß, hoch oben für die Bahn und für Fußgänger, knapp über dem Wasser für Autos und Fußgänger.

Einmal die Portweinmeile rauf und runter und schnell ein sonniges Plätzchen im nächsten Lokal ergattert. Die lokale Spezialität „Francesinha“ (Toast mit Schinken, Steak und Chorizo dazwischen, mit Käse überbacken und in einer gut gewürzten Sauce) musste ich zumindest mal probieren, werde es aber auch kein zweites Mal bestellen. Interessant die alten Kähne, mit denen früher die Portweinfässer transportiert wurden.

Über das Erdgeschoss der Brücke zurück in die Ribeira, das Viertel an der Promenade mit einem Lokal, einer Bar neben der/dem anderen und reichlich Souvenirangeboten.
Dann sehr zu meiner Freude wieder steil hinauf zur letzten Station der Kirche „Igreja e Torre dos Clérigos“ mit dem höchsten Turm Portos (225 Stufen) und einer tollen Aussicht über die Stadt (360 Grad).

Ehe wir da hoch konnten mussten wir aber den Ausmarsch einer Hochzeitsgesellschaft abwarten. Auch der Bräutigam ganz in weiß und mit extraordinärem, goldenem Schuhwerk. Sehenswert aber leider ohne Foto.
Nach den 225 Stufen ging es dann zurück ins Gästehaus. Beim Abendessen probierte ich ein Gläschen Port – wird auch nicht mein Favorit.

Und wer jetzt glaubt, dass diese Nacht ruhiger wurde als die vorherige, hat sich schwer getäuscht. Das Durchhaltevermögen dieses wild gewordenen Bassisten sowie der partywütigen Jugend von Porto war noch deutlich ausgeprägter als am Donnerstag und reichte bis halb Sieben morgens.
Danach kam dann allerdings die auch nicht wesentlich leisere Straßenreinigung nachdem vorher alle Kneipiers ihr während der Nacht fabriziertes Leergut in Containern entsorgt hatten.

Tag 14, Triacastela – Samos, 26.05.2016

10,4 km, 09.00 Uhr bis 12.40 Uhr

Erst den Rucksack für Caminocomodo abgeliefert, danach zum Frühstück in der Casa und diesmal gab es auch Schinken und Käse. Das haben wir dann auch genossen. Um neun ging es dann los Richtung Samos. Zuerst der Straße entlang auf einem Trampelpfad ausserhalb der Leitplanke und immer den rauschenden Fluss neben uns. Nach ein paar Kilometern ging es aber von der Straße weg durch ein idyllisches Tal mit einsamen und teilweise auch aufgegebenen Gehöften. Eine wunderschöne Wanderung bei herrlichem Wetter einige Male jedoch kurze Stücke steil bergauf und wieder bergab. Den Weg hatten wir auch ziemlich für uns da wir ja etwas spät los gelaufen sind. Während einer kurzen Rast unterhielten wir uns mit einem Niederländer aus Eindhoven.
Nach einer insgesamt relativ kurzen Strecke sahen wir dann das Kloster Samos unter uns liegen. Ein mächtiges Bauwerk, das in seinen Hochzeiten bis zu 1000 Mönche beherbergte. Heute sind es noch genau acht und das Bauwerk wird überwiegend vom Staat in Schuss gehalten.
Halb acht war Pilgermesse in der allerdings das katholische Hochfest Fronleichnam keine Rolle spielte. So unterschiedlich sind doch die katholischen Auffassungen in verschiedenen Ländern.
Danach Abendessen auf der Terrasse des Hotels. Hier haben wir uns mit 2 Deutschen unterhalten, die von Marseille auf dem Fahrrad Richtung Santiago unterwegs waren mit durchschnittlichen Tagesetappen von ca. 130 Kilometern. Der eine kam aus Hagen und der andere aus einem Dorf nahe Karlsruhe und ich weiß nicht wie wir drauf kamen, aber er kannte auf jeden Fall noch Euro-Eddie. Für alle die jetzt nicht wissen worum es geht. Der KSC hat sich mal Dank der Tore von Edgar (Eddie) Schmidt bis ins Halbfinale der Euro League (damals noch UEFA-Cup) durchgeschlagen. Dann allerdings kam Austria Salzburg und die Endstation.
Jedenfalls haben wir uns gut mit den beiden und dem Chef der Lokalpresse unterhalten bis eine Bekannte vom Nachmittag, die kräftige Radfahrerin, kam und sich dann intensiv um die Gesprächsführung kümmerte. Wir waren aber auch fertig mit unserem Essen.